Die Frage ist nicht mehr ob, sondern wohin. 2026 betreiben noch immer 35% der deutschen KMU ihre kritischen Systeme auf lokalen Servern — mit steigenden Wartungskosten, Sicherheitsrisiken und Skalierungsproblemen. Eine Cloud-Migration löst diese Probleme, aber welcher Anbieter passt?
Die drei Optionen im Überblick
AWS (Amazon Web Services)
Für wen: Unternehmen mit komplexen Anforderungen, internationaler Ausrichtung oder starkem Wachstum.
Stärken: Über 200 Services, globale Verfügbarkeit, beste Skalierung. Wenn Sie in 12 Monaten von 10 auf 100 Server wachsen müssen, ist AWS die sicherste Wahl.
Schwächen: Komplex, Kosten schwer vorhersagbar, kein deutscher Support im Basis-Tier. Die Rechnung nach dem ersten Monat überrascht regelmäßig.
Microsoft Azure
Für wen: Unternehmen mit bestehendem Microsoft-Stack (Office 365, Active Directory, Dynamics).
Stärken: Nahtlose Integration in die Microsoft-Welt. Wer bereits Teams, Outlook und SharePoint nutzt, bekommt SSO, Compliance und Verwaltung aus einer Hand.
Schwächen: Pricing ist komplex, Dokumentation teilweise veraltet, und die Benutzeroberfläche des Azure-Portals ist nicht intuitiv.
Hetzner Cloud
Für wen: Deutsche KMU mit klaren Anforderungen, Datenschutz-Priorität und begrenztem Budget.
Stärken: Deutsche Rechenzentren (Nürnberg, Falkenstein, Helsinki), transparente Preise, DSGVO-konform by default. Ein vergleichbarer Server kostet bei Hetzner 30–60% weniger als bei AWS.
Schwächen: Weniger Managed Services, kein globales CDN, kleineres Ökosystem. Wer Kubernetes, Machine Learning oder globale Edge-Locations braucht, stößt an Grenzen.
Kostenvergleich: ein realistisches Szenario
Beispiel: Mittelständler mit 30 Mitarbeitern, Web-Anwendung, Datenbank, E-Mail, Backup.
| Posten | AWS | Azure | Hetzner |
|---|---|---|---|
| Compute (2 Server) | 180 €/Monat | 165 €/Monat | 65 €/Monat |
| Datenbank (Managed) | 120 €/Monat | 110 €/Monat | 45 €/Monat |
| Storage (500 GB) | 35 €/Monat | 30 €/Monat | 12 €/Monat |
| Backup | 25 €/Monat | 20 €/Monat | 8 €/Monat |
| Gesamt | ~360 €/Monat | ~325 €/Monat | ~130 €/Monat |
Die Infrastrukturkosten sind nur ein Teil. Dazu kommen Setup, Migration und laufende Wartung.
Die fünf häufigsten Fehler bei der Migration
1. Lift & Shift ohne Optimierung. Die alte Serverstruktur 1:1 in die Cloud kopieren. Ergebnis: gleiche Probleme, höhere Kosten. Besser: erst optimieren, dann migrieren.
2. Keine Exit-Strategie. Vendor Lock-in ist real. Wer ausschließlich auf proprietäre AWS-Services setzt, kann später kaum wechseln. Tipp: Standardtechnologien (Docker, PostgreSQL, S3-kompatible Storage) bevorzugen.
3. Datenschutz ignorieren. Personenbezogene Daten auf US-Servern? Seit dem Data Privacy Framework 2.0 theoretisch möglich, aber jeder Datenschutzbeauftragte empfiehlt europäische Rechenzentren.
4. Backup vernachlässigen. Cloud heißt nicht automatisch sicher. Ohne eigenes Backup-Konzept riskieren Sie Datenverlust durch versehentliches Löschen oder Ransomware.
5. Kosten nicht monitoren. Cloud-Rechnungen wachsen schleichend. Ein vergessener Test-Server, ein überprovisierter Service — nach 6 Monaten zahlen viele KMU 40% mehr als geplant.
Unsere Empfehlung
Für die meisten deutschen KMU mit bis zu 100 Mitarbeitern ist Hetzner die wirtschaftlichste Wahl — deutsche Server, transparente Preise, ausreichend Leistung. Wer Microsoft-Integration braucht, nimmt Azure. Wer global skalieren oder Machine-Learning-Workloads betreiben will, kommt an AWS nicht vorbei.
Die richtige Entscheidung hängt nicht vom Anbieter ab, sondern von Ihren Anforderungen. Ein 2-Stunden-Assessment spart Ihnen 12 Monate Ärger.